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Gaetano Donizetti
Inszenierung und Konzept: Peter Patzak
Technische Einrichtung: Frieder Klein
Musikalische Leitung: Svetoslav Borisov
Rita (Deux hommes et une femme)
mit Julie Fuchs, Lianghua Gong und Anatoly Sivko
Premiere: 16. März 2012
Musikverein für Steiermark, Graz


Mit dem ironisch-fröhlichen Einakter Rita (Zwei Männer und eine Frau) präsentiert der Musikverein nach drei Werken Rossinis seine vierte Opernproduktion. Die Opéra comique Rita zählt zu den Spätwerken Donizettis und wurde nach Angaben seines Librettisten Gustave Vaes 1841 in nur acht Tagen zu Papier gebracht. Die Uraufführung erfolgte allerdings erst 1860 in Paris. In Graz erklingt Rita in der est 2006 publizierten französischen Originalfassung, die in Österreich bisher noch nicht aufgeführt worden ist.

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Buch: Peter Turrini
Bühne und Regie: Peter Patzak
Die Liebe in Madagaskar
Urraufführung: 13. Jänner 2010
Stadttheater Walfischgasse 1010 Wien




Am liebsten ist es Josef Ritter, wenn die letzten der wenigen Besucher sein trübes Vorstadtkino verlassen haben und er endlich wieder eintauchen kann in die Welt des Kinos im Kopf. Eines Tages bittet ihn einer der „Götter der Leinwand“ nach Cannes zu fahren und an seiner Stelle Verhandlungen über einen neuen Film zu führen. Obwohl Josef Ritter nicht einmal mehr die Rechnungen für Strom und Wasser bezahlen kann, macht er sich auf den Weg. Den Produzenten lügt er das Blaue vom Himmel, und mit der ersten Rate für den Film in der Tasche beginnt er stockend ein Drehbuch zu erfinden. Als er eine Schauspielerin trifft, die gerne die Hauptrolle spielen würde, erfüllen sich seine Wünsche. Mit ihr traut er sich zu reden über das, was - für ihn selber überraschend seine größte Herzensangelegenheit ist: das gerade erfundene, große, mitreißende wahrhaftig bezaubernde Filmprojekt.


Pressestimmen:
"Der glücklose Ritter hat längst resigniert. Ausdrucksstark spielt Böck diese Starre, diese Sprachlosigkeit. (…) Filmprofi Patzak bewährt sich als Theatermacher. (…) So einfach schön kann Bühnen-Bild sein." (Kurier, 15. Januar 2010, 4 von 5 Sternen)
"Der Premierenbeifall war geradezu ekstatisch. Peter Turrinis melancholisches Kino-Drama Die Liebe in Madagaskar wurde zum strahlenden Erfolg. (…) Wolfgang Böck und Gerti Drassl sind ein Traumpaar voll Sehnsucht und Leidenschaft." (Österreich, 15. Januar 2010)
"Ein Riesenerfolg!" (Krone, 15. Januar 2010)
"Patzaks Arbeit als sein eigener Bühnenbildner ist ein Triumph… viel Zustimmung für alle Beteiligten." (Der Standard, 15. Januar 2010)
"Peter Turrinis Die Liebe in Madagaskar wird zum Theaterfest des Hineinphantasierens." (Kleine Zeitung, 15. Januar 2010) "Der bekannte Wiener Filmregisseur Peter Patzak hat den Abend mit minutiöser Schauspielerführung inszeniert und ihn im Hintergrund mit einem selbst gestalteten Schwar-Weiß-Film unterlegt, der die leere Bühne mit stimmungsvollen Bildern füllt." (Neues Volksblatt, 15. Januar 2010)


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Peter Patzak
Akte - Im schweigen Vermählt
Urraufführung: 18. Jänner 2008
Stadttheater Walfischgasse 1010 Wien






Unbekannte Mädchen. Man sieht ihren Körper – noch intimer: Man liest den besonderen Moment in ihren Blicken. Man kann ihre Gedanken fast lesen während sie sich für und vor dem Maler entblößen. Sonst weiß man nichts über ihre Gefühle, ihre Sehnsüchte. Beinahe nichts über sie als Modelle, Musen, Geliebte, Quellen der Inspiration.
Man begegnet ihnen in Museen und Sammlungen. Erkennt sie aus dem fahrenden Auto blickend auf Plakatwänden. Man betrachtet sie und erfreut sich ihres Anblicks bei Kunstauktionen und Ausstellungen.
Sie haben eine eigene Biographie, eine eigene aufregende Geschichte. In ihrer Zeit vereinsamt leben sie jetzt in der Gesellschaft ihrer Betrachter. Im Schweigen vermählt.
Neun unterschiedliche Frauenschicksale werden von drei faszinierenden Künstlerinnen porträtiert. Sie enthüllen das verborgene Leben dieser Frauen jenseits ihrer Darstellung in den Kunstwerken.
„Ich darf den Kontakt mit deinen Augen nicht verlieren, nur dann entsteht ein gutes Bild.“

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Theo van Gogh
Interview
Bühne und Regie: Peter Patzak
Stadttheater Walfischgasse 2007
Die Presse, 07.02.2007
Patzak: "Kampfrösser, von ihrer Zeit trainiert"
Im Gespräch. Filmregisseur Peter Patzak bringt in Wien Theo van Goghs Film "Das Interview" auf die Bühne.

VON ANNE-CATHERINE SIMON

Im Jahr 2003 drehte der Niederländer Theo van Gogh den Film "Das Interview", es war eine der letzten Produktionen des Filmemachers und Agent provocateurs. Ein Jahr später kam sein gemeinsam mit der Frauenrechtlerin und Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali gedrehter Film "Submission" heraus; und wieder wenige Monate später wurde van Gogh von einem Islamisten auf der Straße abgeschlachtet.
Nicht das Interesse an der Person van Goghs hat aber den österreichischen Filmregisseur Peter Patzak dazu gebracht, "Das Interview" in Wien auf die Bühne zu bringen, sondern der psychologische Reiz des Stücks. Dieses unglaublich raffinierte, perfide und schonungslos medienkritische Zweipersonenspiel um Lüge und Wahrheit, Sein und Schein lockt nicht nur die Figuren, sondern auch den Zuschauer von einer Interpretationsfalle in die andere. Die Handlung: Pierre Peters, politischer Enthüllungsjournalist, muss ein erfolgreiches junges Filmsternchen interviewen, während die Niederlande gerade von einer heftigen Regierungskrise erschüttert werden. Aus dem Gespräch, das der frustrierte Redakteur mit der Schauspielerin Katja Schuurman in deren Wohnung führt, entwickelt sich ein Machtkampf. Zwei deutsche Filmschauspieler, mit denen Patzak schon mehrmals gedreht hat, sind in Wien als Katja und Pierre zu sehen: Elke Winkens und Dieter Laser.
"Ich kenne den Typus des Pierre sehr gut, der einen Journalismus begonnen hat, den er heute nicht mehr ausführen kann. Ein Freund von mir, Manfred von Conter, gab den Beruf auf, weil seine Zeitung ihm sagte, die Anleger würden seine kritischen Artikel aus Südamerika nicht wollen. Heute ist er Kakaobohnenzüchter. Und ich kenne Katja, dieses Aufwachsen in einer Alles-geht-Partie, dieses Nichtverdauen dessen, was mit einem passiert in der Öffentlichkeit, vor den Kameras. Und diese zwei verbeißen sich wie in der Kriegsführung die Kampfrösser. Nur, dass sie nicht von ihren Reitern trainiert sind, sondern von der Zeit, in der sie leben."
Wie Theaterintendantin Anita Ammersfeld es immer wieder schafft, für ihr junges Stadttheater in der Wiener Walfischgasse so hochkarätige Schauspieler und Regisseure zu bekommen bleibt ein Geheimnis. Sie hat es jedenfalls wieder geschafft - nach einem Jahr Überredung, erzählt Patzak. Auch auf der Bühne bleibt er ganz Filmregisseur. "Ich muss mir zunächst den Raum erobern, das Licht, die Atmosphäre. Das ist der äußere Kreis, dann kommt der innere, ich muss die Seele der Figuren spüren, muss wissen: Warum tun sich die das an?! Warum sagen sie nicht: ,Danke, das genügt'?"
Und Patzak hat zum Stück eine Regiefassung erstellt. "Die Schauspieler haben eine Partitur vorgefunden. Alles, das Sich-Setzen, das Nach-etwas-Greifen, ist eingezeichnet, bei jeder Zeile steht dabei, was die Absicht ist, woher der Gedanke kommt und wohin er führt, warum er in diesem Moment als Waffe eingesetzt wird. Ich kann mir ja auch nicht leisten, auf ein Filmset zu kommen und zu sagen: ,Probier ma halt einmal.'" Es müsse ja nicht alles dann auch so kommuniziert werden, schränkt Patzak ein. "Es müssen ja auch die Schauspieler nicht hundert Prozent spielen, es genügt, wenn sie 80 Prozent spielen - aber 100 Prozent müssen sie wissen! Schrecklich ist, wenn sie 100 Prozent spielen und 20 Prozent nur wissen."
Theo van Goghs Schluss ist grenzenlos zynisch: Nachdem die zwei Figuren einander jeweils ihr (vermeintliches) größtes Geheimnis verraten haben, verwenden beide ihr Wissen dazu, den anderen zu vernichten - was Katja auch gelingt.
"Ich musste das ändern", sagt Patzak. "Dieser Schluss bringt weder dem Zuschauer etwas noch den Figuren. Irgendwo muss es einen Weg raus geben, der nicht nur im Besiegen des Gegenübers endet." Außerdem habe er dazu seine Figuren zu gern: "Ich liebe sie, auch wenn sie Schurken sind. Und meine oberste Aufgabe ihnen gegenüber ist, sie doch verändert, in einer anderen Wissensposition zu entlassen. Sonst muss ich sie ja nicht begleiten." Auch Patzaks Pierre ändert sich: "Er hat etwas von sich gegeben, was er niemandem erzählen konnte, Katja reinigt ihn, mit ihren Mitteln. Irgendwann ist die Konsequenz einer bösen Tat, die Bestrafung, wurscht, Hauptsache, du bist das Geheimnis los. Vorausgesetzt, dass noch ein Mensch in dir ist."
Gerade die technische Armut des Theaters im Vergleich zum Film empfindet Patzak als Luxus. "Ich genieße dieses Unplugged-Arbeiten. Im Film übt die Technik enormen Druck aufs kreative Geschehen aus. Hier ist es wie ohne Orchester; wie wenn der Johnny Cash in den letzten Tagen die Gitarre nimmt und sagt: ,Ich brauch kein Mikrofon mehr.'"