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dass ich peter patzak als maler kennenlernte, vor mehr als 44 jahren hat mehr mit meinem alter zu tun als mit seinem- ich war nach wien gekommen um bei max weiler malerei zu studieren, er war eben aus new york zurückgekehrt und zeigte in der wiener sezession eine grosse ausstellung seiner ölbilder.
eine höchst nachhaltige kunstauffassung, für die man später keine andere erklärung fand als eine gemalte, eine malerische vorwegnahme dessen, was er bald darauf begonnen hat, nämlich „fernsehen machen“.

diesem fernsehen damals eignet aus heutiger sicht nicht nur eine aus der nostalgie resultierende sentimentalität und wohl auch eine andere qualität als heute.
--man bekam in dieser erwähnten sezessions-ausstellung ja auch keine filme zu gesicht -. patzak stellte ölbilder aus, deren herausragendes kennzeichen , bei allen erinnerungslücken - gemalte rahmungen um die motive der bilder waren, die den umständlichen fernsehkasten immitierten. man wuchs also mit dem fernseher auch in gestalt eines unsäglichen möbelstückes auf – selbstverständlich hatte man auch ästhetisch damit zurecht kommen.


In der grossen ausstellung nun, im künstlerhaus in klagenfurt
Finde ich also eine sehr persönliche malerei vor,
die bilder hervorbringt, deren wahrheitsgehalt sich zwar anbietet und auf den ersten blick auch wie aufdeckbar scheint, deren deut- und bedeutsames als kern ihrer aussage- jene, die wahrheit jedoch zurückzuhalten scheint, das eigentlich sprechende verhüllend und verbergend ,
das kommen dieser entbergung ankündigend , stetig und kommend , durch türen und fenster oder einfach aus dem offenen formuliert ins offene.
Türen ,fenster, ein und ausgänge.....innen und aussen............erscheinungen von räumen.


Einige einführende worte sollen das nun werden, wohl um das gattungsgesetz –gattung kunsttheorie zu durchbrechen, lieber peter patzak , du kennst meine abscheu vor dem akademismus.
ich beschränke mich also auf eine dem anlass entsprechende verkürzte entfaltung einer untersuchung zweier zyklen, die versuchsweise für die gesamte schau deiner bilder anlässlich derer präsentation im künstlerhaus in klagenfurt stehen mögen,

Jedes einführende wort ist auch ein eingeführtes wort, ein wort, ein begriff der zumindest einer analogie zu folgen hätte, um einer sinnhaftigkeit eine stätte einzuräumen, sie stattfinden zu lassen. Und da bei einführungen im sinne der einfuhr auch grenzen im spiel sind , habe ich mir erlaubt einiges zu schmuggeln, begehrlichkeiten, aussichten, anmaszungen wohl auch, übertreibungen , unerhörtheiten, unmöglichkeiten ,kurzum,-- begriffe,-- die legal nur schwer die grenze passieren dürften somit als schmuggelgut sich erst noch zeigen werden......
eine interpretation also, eine unter mehreren möglichkeiten, zumindest derer zwei........
so nahm ich mir also die freiheit,
bei der betrachtung der bilder quasi vom blatt zu singen,
und mir dabei zuzuhören,—einen gesang anzustimmen, eine stimmung zu erzeugen, deren stimme zu sein,um in einen takt zu wiegen, von dem ich keineswegs erwarten kann, dass er gehör findet bei allen lesern ,vielleicht summt am ende zumindest ein kleiner chor mit, ein chorus, patzak und ich, wir lieben ja die alten griechen.........

1. türen

gemalte geschlossene türen, wohl tore, -nobel ragend von bildrand zu bildrand.
der blick bleibt gleich einmal ausgeschlossen, da gibt’s kein eindringen......man ist eingeschlossen, ein ausgeschlossener

ihre realistik provoziert mir die metapher, eine türe sei eine kollision mit der realität,
nun denn, irgendjemand hat sie einmal verschlossen, wahrscheinlich wurden sie auch noch niemals geöffnet. sie stehen ganz vorne d. h. sie füllen die bildmöglichkeit, die bildfläche zur gänze aus, ein eindeutiger verschluss. natürlich eignet auch diesem abschluss als verschluss ein anschluss, eine dimension ,eine durchmessung, hier „scheint es“ gewaltig, die totalität dieser gemalten tore, ihrer anwesenheit, ihres seins scheint jedoch eher die zeit sichtbar zu machen denn ihren eigenen raum, mein eigener raum wird mir bewusst, eine onthische bestimmung müsse erprobt werden, irgendwann einmal, obwohl der ort, an dem diese türen stattfinden ungesagt bleibt. dieser realismus tritt entschieden auf, als kontrastbegriff bereit, die noch einzuschmuggelnden unwirklichkeiten zu erproben

man sieht, dass das anstimmen dieses „vom blatt gesungenen liedes“ nicht einfach ist
.noch brummen die basstöne gehörig........
dann habe ich beim betrachten der bilder modifizierte kreuzformen wahrgenommen, kreuze
wie sperren, henkelkreuze ohne henkel, aufgerichtet als aufrisse über aufgerichteten grundrissen, nun dem kreuz den „anderen“ raum einräumend, wo sich das zeichen des kreuzes mit dem symbol desselben kreuzt um aus dem zeitlichen das ewige aufblitzen zu lassen.
blitzartig erhellt und in seine umrisse gezwungen, das DA dieses daseins, ---unser dasein ,----
wenn denn dieser erste eingeführte begriff greift, kreuzwerk, als ausstieg aus geschlossenen systemen,

ganz beiläufig wurde die türe zur wand , wohl zum vor-wand..

was jedoch verbergen diese türen, ab nun als tore bestimmt?
eine gemalte, transparenz erzeugende partielle belichtung dieser verschlossenen situation die uns eine realität glaubhaft machen will greift nach einer imaginierten öffnung , ein bereich dieser tore erscheint in einem seltenen leuchten, einer projektion nicht unähnlich, eine öffnung scheint aus einem bereich, dem augenscheinlich auch kein raum zuordenbar ist, leicht benommen steht man unweigerlich vor einer endgültigkeit, in welche leibungen, stock und sturz, säulen und architrave führen, architekturen also, die an einen tempel erinnern,
aus dessen abgesondertem inneren zumindest eine ahnung einem entgegenfliegt, eine vorstellung sich aufbaut, ein abgesondert inneres also, eine andere ordnung - der kontrastbegriff erprobt nun seine festigkeit

und plötzlich sind die eingangs eingeführten kreuze von zu weit hergeholt, das zwingend äussere dieser formalen möglichkeit ergibt erst im verlassen dieser idee einen sinn, auch wenn sie nicht falsch war, -schweren herzens verwerfe ich sie, im und am tempel hat das kreuz nichts verloren, das weiss man

ein verschlossenes tor also mit seinem zwielicht (des zweifels) das allerdings einen bereich eröffnen will, der die vorstellung übersteigt , wie schon angedeutet, ein solches tor --braucht den garten, „GATE TO THE GARDEN“, das symbolische des gartens, seine metapher, die als begriff in der titelgebenden ansage zur gezeigten ausstellung im künstlerhaus in klagenfurt --sich zu hören gibt und--eigentlich so nackt , so hüllenlos und blos dasteht, dass sich nur EIN garten anbietet, der GARTEN EDEN; der paradiesgarten , dieser allein.

Wenn ich nun diesen denkweg weitergehe, wenn also meine vermutung zutrifft ,
wäre dieser ausstieg aus der abgeschlossenheit der ewig verschlossenen tore anlass einer existentiellen ausweglosigkeit, die menschliche bedingtheit, wahrscheinlich eine sublimation einer sehnsucht und einer verheissung empfohlen…..........,

sollte es mir nun gelungen sein eine stimmung als einstimmung zu erzeugen, dann wandeln wir in dieser atmosphäre einen weiteren gedankenschritt gemeinsam, ich packe mein geschmuggeltes gut weiter aus und lege einen begriff vor, der entblösend in mehrfacher hinsicht sein will, es handelt sich um das hebräische- aramäische wort GALA, welches mir helfen soll diesen gedankengang zu ende zu gehen und den schleier ein wenig zu lüften, eine gala-vorführung in ganz anderer bedeutung des wortes....

die griechische übersetzung dieses hebraischen-aramäischen begriffes „gala“-
ist ein weiteres einführendes wort, ein eingeführtes wort, das wir gut kennen, APOKALYPSE nämlich, mit seiner stupenden bedeutung, mit der sinngebung von - endgültig,- gefährlich,- angstmachend, betäubend, die grosse OFFENBARUNG ankündigend, vielleicht die letzte, auf alle fälle als KATASTROPHE, zumindest in der sinngebung im deutschen und dem damit verbundenen klang als ganz hohem bis schrillen ton..........--

ANDRE CHOURAKI hat allerdings in seiner vor einigen jahren unternommenen neuübersetzung dieser offenbarung des johannes nachgewiesen dass der begriff GALA in seiner aramäisch-hebräischen sinnhaftigkeit eigentlich nur - enthüllen -meint, das lüften des schleiers , und auch das griechische apokalypto bedeutet streng genommen nur : ich entdecke, ich entberge verborgenes, ich lüfte ein geheimniss einer sache, die weder gezeigt noch gesagt werden darf/kann, nur aufdeckend im sinne des enthüllens , entbergung des verborgenen um zum altgriechischen begriff ALETHAIA zu gelangen den parmenides für wahrheit gebrauchte, den martin heidegger mit „entbergen und verbergen“ übersetzte, das lüften des schleiers der ISIS---auch das zeigen der blöse, der pudenda, der scham....um dem titelgebenden „garten“ dem „gate to the garden“ auch als dem garten der lüste seine latent-sexuelle kontaminierung sinnerfüllt zurückzugeben…..............
hier schliesst sich ein kreis,bzw ein tor, selbst die ewige wiederkehr des gleichen von
f. nietzsche kommt ins spiel, im wissen um das vergehen des kommenden, weisst du lieber peter patzak um des willens wiederwillen gegen das „ES WAR“ im einverständniss mit seiner, nietzsches ewigen wiederkehr……

aus der grossen katastrophe, aus der apokalypse ward der garten eden, beides; KATASTROPHE wie auch EDEN sind vorgestellt in der metaphysik unseres abendlandes, hier als der abend der bilder, aus der nacht des tages in den morgen, ins dasein, jeweils und immer wieder, stets aufs neue, das tor als metapher des seins als der transzendenz des nichts , dessen sinn die zeit ist, die aber keinen sinn gibt…………ans ende zurück gekehrt haben wir den anfang vor uns, den horizont hinter uns, die künstlerische leistung kulminiert als ihr anspruch , trost gespendet zu haben in gestalt von schönheit als der brücke über den abgrund, jede brücke ist schön …………………….

2. manchmal

Manchmal, genauer gesagt , in 11 räumen errichtet peter patzak dieses MANCH-MAL
dieses „manchmal“, welches sich jeweils einmal-ig ereignet;
dieses MANCH-MAL, das einmalig das kein-mal ausschliesst , das nie,
manchmal also zeigt sich das mal, die narbe des jeweiligen augenblicks ,
schmucklos , blos, als das mögliche brand-mal, nach dem feuer,
noch mit asche aus der asche.
dieses stete mal sich einend in die eine innigkeit, (dies einzig seltsam eine),
wenngleich in seiner bestimmung doch auf einige male hingerichtete MANCH-MAL.
 
dieses "manch(e)", das zum denken gebracht und in die form gleich den MALcharakter annimmt ist erstaunlich: es sieht so aus als wäre es wiederholbar, ja dieses sein eigentlicher charakter. so lebt das MANCH-MAL in der wiederholung und scheint doch limitiert:
exklusiv und kostbar zeigt es sich , wenngleich nicht einzig;
doch dies schmälert seine bedeutung als MAL keineswegs es ist möglicherweise ein denkmal, ein mahnmal, ein grabmal, ein wundmal; das mal des KAIN
nur einmal  EINMAL, das manchmal, niemals  keinmal:

ich spreche noch immer von patzas bildern, von bildern eines malers, deren belichtung mittels farben zwielichtartig den tag wie auch den mond bedeuten, der palimpsestartige farbauftrag weis jeweils um seine wirkung, von malerei sollte in diesem zusammenhang erst gar nicht gesprochen werden, es geht ausschliesslich um bilder

am dunklen bordeaurot holt sich das feuer sein licht, das licht , das in die nacht weist des nachtblaus, der mondin, die astigmatisch ihre eigene schönheit begleitet, als abglanz des ewigen lichtes, und doch blos sein schatten.
 
die anscheinende leere dieser klar definierten präzise formulierten räume dieser bildserie als die ausgeleertheit des MANCH-MALS erscheint nun als gespenst welches gegenwärtig,--
ein eingeschlossener wiedergänger, denn der raum ist abgeschlossen, denn das bild ist versiegelt
 was meint nun die strenge der grafik des aufrisses?
diese schafft am SIEGEL, sie ist das SIEGEL, das werkzeug des magiers
er, der aufriss baut aus dem ewigen gesetz der schönheit an seinen regeln
von mal zu mal als seiner ordnung,
sie,  die strenge blendet den blinden und öffnet unser aller auge.
die tosenden ströme draussen eröffnen diesen raum als heiligtum, als loge .
im abydon verharrt die seltene, manchmal gewährte ankunft,
das MANCH-MAL gerät in gefahr im selben masze seine rettung nachwächst, das hat hölderlin gewusst, seine rettung also harrt der dinge, sie "wächst nach",
das siegel entfaltet seine wirkung.
 
nun flieht das gespenst die ecken und stürmt QUER den innersten bezirk,
auch ihm ein heiliger ort, vermag es hier nichts auszurichten. hier nicht.
diese flucht eröffnet die differenz einer seltsamen fluktuation, die den augenblick in frage stellt, im NU eilt es als der zeitpunkt zum nächsten, raffend, zeugend und erschaffend, und verwirkend zu gleich.

so , nur so überlässt sich dieses MANCH-MAL dem betrachter,
die leere spiegelt aus ihrer begrenzung ihr nicht vorhandensein, ihre köstliche nutzlosigkeit als zweck der kunst, und baut als begrenzung am gefüge einer skulptur um sich als deren abbild innigen äthers zu erfahren, als den atem dieses gespenstes, sich verzehrend und ausscheidend in einem, als gestalt dieser innigkeit des MANCHMALS, manchmal also im eigenschaftlichen sinne, kein immer, kein nie.............
das versiegelnde des siegels zeichnet die räumliche gestalt, ihr gewährt es schützend ihr bestehen. aus ihm IST es, das MANCH-MAL DER KUNST und ihres wirkens. Das scheint sich sagen zu wollen, dieses kommt zur sprache.

nochmals: sein inniger äther erfüllt das siegel, aus welchem es WIRD, dem gespenst ein ereigniss, seine zähmung. angeblickt von ihm hatte es den blick des adytons erwidert, war auf die wahrheit gestossen, hatte sein ereigniss.
die TREUE zu ihm hatte das anrecht auf das siegel konstituiert...........
und so darf vermutet werden, dass diese von patzak evozierte leere, dieses gespenst also, dieser widergänger des nichts –um nicht den schwierigsten aller begriffe zu strapazieren GEIST nämlich ,als nebenbei bemerkt das gefährlichste der geschmuggelten güter—dass dieser widergänger des nichts also der eigentliche schöpfer des MANCHMALS ist, und das innige fluidum seines siegels wäre seine substanz, sofern so etwas möglich ist und auf diese weise sagbar., eingeschmuggelt wie alles kostbare.
wenn das kunstwerk das ins-werk-setzen der wahrheit des seienden ist, wie martin heidegger es denkt, wenn es also ohne diese wahrheit auch keine apokalypse gibt, dann bin ich mit meinen einführenden worten, meinen eingeführten worten zu patzaks bildern –und hier geht es um meine ehre als schmuggler richtig gelegen, mag dieses schmuggelgut auch nur für die wenigsten sein.

Ich bin überzeugt, dass er es gemalt hat, wenn so etwas überhaupt möglich ist, wenngleich die leere, das gespenst der eigentliche schöpfer des MANCHMALS bleibt, das manchmal des werkes.
Manchmal wird es gelungen sein
also- nichts für ungut, aber wer weiss das schon so genau ?

Wolfgang Walkensteiner, Künstler, oktober, 2014
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